Nathalie Anguezomo Mba Bikoro
& Anaïs Héraud-Louisadat

In Arcadia: How Soldiers Become Mermaids, 2016

Unterwasser-Archäologie & Wassermuseum (Film ca. 45 Minuten, Performance)

Der Film und die Performance sind poetische Gesten, die sich – ausgehend vom Halbmondlager in Wünsdorf und damit einem wichtigen Teil deutscher Kolonialgeschichte – mit Erinnerungsfragen und kolonialen Überbleibseln beschäftigen.

Was für Spuren haben die aufgezeichneten Stimmen der Kriegsgefangenen hinterlassen und wo wachsen Erinnerungen? Der Wünsdorfer See und andere Orte in der Umgebung des Lagers werden zur Basisstation für eine archäologische Untersuchung der kolonialen Erinnerungen. Äußerungen und Körper der Soldaten werden unter der Erde vergraben und in den Gewässern entstehen aus ihnen neue Unterwasserökosysteme. Sie sind die Metaphern von Mami Watas („Mutter Wasser“: Wasser-Geister, oft in Form von Meerjungfrauen dargestellt). Aus Körperteilen der Soldaten werden mythologische Wesen, teils Mensch, teils Fisch, die ihre Form verändern, damit sie sich durch Gewässer und Kontinente bewegen können.

Indem sich die Künstlerinnen in diese komplexe Landschaft integrieren, hinterfragen sie auch die Rolle der Frauen in dem kolonialen Projekt des „Festschreibens von Sprachen und Kultur.“ Frauen werden als Ehefrauen, Töchter, Geliebte und manchmal auch im Sinne der Heimat erwähnt, haben aber nie eine eigene Stimme. Die Performance und der Film möchten dem Leben, der Stimme und der Rolle der Frauen in den antikolonialen Widerstandsbewegungen in Berlin, Kamerun und Namibia Rechnung tragen. Als Ehefrauen, Töchter, Schwestern, Mütter, Geliebte und Meerjungfrauen werden sie in den Erinnerungen der Soldaten, deren Erzählungen und Liedern, sichtbar gemacht.

Die Künstlerinnen thematisieren so das Vermächtnis eines postkolonialen Traums und fragen nach der Bedeutung solcher Bruchstücke der Erinnerung und Überlieferung für unsere heutige Existenz.

Die künstlerische Praxis von Nathalie Anguezomo Mba Bikoro (*1985, lebt und arbeitet in Berlin, Gabun und Frankreich) und Anaïs Héraud-Louisadat (1988, lebt und arbeitet in Berlin und Frankreich) bewegt sich zwischen Performance und politisch sowie sozial engagierter Zusammenarbeit. Die Künstlerinnen streben einen langfristigen Dialog durch künstlerische Forschung und Bildung an.

Nathalie Anguezomo Mba Bikoro, die auch als Dozentin, freie Kuratorin und Autorin tätig ist, beschäftigt sich vor allem mit kollektiven Erzählungen zu Themen wie Identität, Erinnerung, Dialog, Geschichte und Vielsprachigkeit. Anaïs Héraud-Louisadat, die in Nancy und Brüssel Bildende Kunst mit den Schwerpunkten Malerei und Performancekunst studierte, zielt in ihren Arbeiten auf die Herstellung und den Austausch von Wissen.

Bisher haben sie gemeinsam unter anderem im Künstlerinnenkollektiv Dealing with the Normative Gaze in Performance Art (NGinPA) zusammengearbeitet und Projekte für den Month of Performance Art-Berlin (MPAB) kuratiert. Die Arbeiten der Künstlerinnen waren national und international zu sehen.

www.nbikoro.com

www.anaisheraud.com